Schule: Adolf-Reichwein-Gymasnium, Heusenstamm
Name: performing dreamers
Jahrgang: Q2
Spielleitung: Kristina Stein-Hinrichsen

»Performing Dreams«

In einer Gesellschaft, die parallel virtuell stattfindet, verschwimmen die Grenzen zwischen dem realen Leben und der Selbstdarstellung auf den social-media-Platformen zunehmend und lassen vor allem, wie in unserer theatralen Filmproduktion »Performing Dreams« sichtbar, junge Menschen an ihrer Identität zweifeln.

Nicht nur die Bewältigung des Alltags stellt durch gesellschaftliche Normen, Ansprüche und Erwartungen ohnehin bereits eine Herausforderung für die Jugendlichen dar –  besonders aber durch die Bildung von idealen Parallelgesellschaften im Netz, in welchen sich auf bestimmte Körper-Normen und performative Ideale spezialisiert wird, steigt der psychische Druck auf unsere Figuren immens.
In der Szene »Reflection« findet die Identitätskrise der Protagonist*innen ihren Höhepunkt. Losgelöst von sozialen Gefügen und Fremdstimmen, wird sich nun herausstellen, ob es den Figuren gelingt, ihre »innere Stimme« bewusst wahrzunehmen und laut werden zu lassen.
Hinsichtlich des Einflusses der social-media-Platform instagram, welche die Hauptfunktion der Selbstdarstellung in einer perfektionierten sowie idealisierten Parallelgesellschaft trägt, soll in dieser Schlüsselszene die digitale Inszenierung auf die reale Welt treffen.
Hierfür wird ein großer Holzrahmen benutzt, der als Rahmen für instagram-Beiträge fungiert, sogenannte »Portale«, im Gegensatz dazu reflektiert eine große Spiegelwand die Auseinandersetzung mit der eigenen Inszenierung und dem Selbst.
In der Art und Weise wie sich die Figuren in dem Beitrag bewegen, sprechen und handeln, wird deutlich, dass sie in ihrer Trugwelt, in ihren »Idealrollen« gefangen sind. Alle Figuren sind entsprechend ihrer Rollen gekleidet, aber erneut  – im Anschluss an die Szene: »Aus der Haut« – scheint sich ihr Inneres von seiner Hülle lösen zu wollen.
Ein Moment der Be- aber auch Entfremdung zwischen der inszenierten Rolle und dem inneren Ich wird sichtbar.
So bekommen die Zuschauenden in besonderer Kontrastierung zu den digitalen instagram-Auftritten der Figuren eine erweiterte Perspektive auf die jugendlichen Charaktere – sie werden gläsern, neue Zugänge werden eröffnet, aber auch Schattenseiten offengelegt.
Die Zuschauenden begleiten die Figuren in ihrem intimsten Moment – dem der  Selbstfindung – der zugleich auch den Beginn des Wendepunktes markiert.

Lucia Feigl (Q2), ARG Heusenstamm

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Deva

Mein Name ist Deva Amaira Solowjow.
Ich bin 18 Jahre alt und ein Star. Ich bin talentierter und viel besser als alle anderen.
„Shine bright like a diamond“ ist mein Mantra, welches ich auch alle in meinem Umfeld spüren lasse. Meine Ausstrahlung und mein Selbstbewusstsein machen mich dort beliebt und unbeliebt zugleich. So gibt es welche die mich vergöttern und andere die mich verabscheuen, sehr wahrscheinlich einfach nur aus Neid. Aber ich mach mir nichts aus der Meinung anderer, da einen das nicht weiterbringt. Ich selbst bin mir die wichtigste Person, der ich immer treu bleiben muss, um erfolgreich zu werden.
Auch bin ich klein, nur 1,57m groß und deshalb habe ich Angst oft nicht ernst genommen zu werden, aber davon lass ich mich nicht unterkriegen. Ich trage super gerne und oft High Heels, die mich größer und selbstbewusster wirken lassen und ich schreite oft durch die Umgebung, indem ich mir vorstelle über den roten Teppich zu stolzieren. Ich nehme so viel Platz ein, dass ich immer auffalle.
Aber was niemand weiß, da ich es niemandem erzähle, ist, dass ich von vielen Problemen geplagt werde, die ich nur in meinem Inneren bekämpfe. Darunter sind vor allem meine Selbstzweifel. Ich habe immer die Angst nicht gut genug zu sein, den Ansprüchen nicht zu entsprechen und mich selbst zu enttäuschen. Außerdem bin ich ein Adoptivkind, das hab ich erst letztes Jahr erfahren und das hat mich in eine Identitätskrise gestürzt, da ich jetzt überhaupt nicht mehr weiß wer ich bin und wo meine Wurzeln sind. Und ich verstehe mich mit meinen Adoptiveltern sowieso nicht gut. Sie hatten schon immer viel zu hohe Ansprüche an mich und wollen aus mir nur ihre „Kreation“ machen, auf die sie stolz sein können. Aber ich schaffe es nicht das zu erreichen, was sie wollen und sie können mich nicht akzeptieren, so wie ich bin. Ich interessiere mich nicht für die Dinge, die sie gerne haben und erst recht möchte ich nicht in ihre „Unternehmer-Fußstapfen“ treten. Das ist ihr Leben, aber nicht meins.                    

Der einzige Vorteil bei Ihnen aufgewachsen zu sein ist das Geld. Da beide erfolgreiche Unternehmer sind kann ich mir so meine Leidenschaft finanzieren und mich in ihr zurückziehen. Das Singen und das Tanzen helfen mir alles durchzustehen. Sie sind mein Antrieb, von denen meine Adoptiveltern aber nichts wissen. Sie denken, dass ich das Geld nur für mein Image ausgebe: also für Schuhe, Kleidung und Drogen. Dabei nehme ich noch nicht einmal Drogen. Dadurch lassen sie mich immer wieder spüren, dass sie sich nicht wirklich für mich als Person interessiert haben.
Deshalb träume ich jetzt seit letztem Jahr davon meine leiblichen Eltern zu finden, weshalb ich hart daran arbeite ein Hollywoodstar zu werden. Ich will unbedingt von meinen Adoptiveltern unabhängig sein. Und wenn man reich und berühmt ist, dann stehen einem viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung, da ich so auch eine breite Masse an Menschen erreiche. Deshalb verschwinde ich nach meinem ABI direkt nach L.A, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen und weil ich dabei eh nichts zurücklasse und niemanden vermissen werde. Aber ich darf dabei auf keinen Fall scheitern. Versagen ist keine Option. Wer scheitert wirkt schwach und verletzlich. Ein Star scheitert nicht.                Und ich habe Angst davor, dass andere erkennen, dass ich nicht so stark bin, wie ich mich gebe.
Nach außen lass ich mir nämlich von all meinen Problemen nichts anmerken, weshalb ich mich als die unverletzliche Diva präsentiere. Aber manch anderer nennt mich auch Bitch. Ich bin verletzend zu anderen, wirke zickig, kalt und arrogant, aber in Wahrheit ist das nur mein Schutzschild, um die Außenwelt nicht mein Inneres sehen zu lassen. Und ich versuche so meine Probleme zu verarbeiten und mein Selbstwertgefühl zu verbessern, indem ich andere schlecht rede und klein mache, sodass sie sich nutzlos fühle und ich ihrem Leben einen Sinn gebe.  Durch dieses Auftreten habe ich auch keine richtigen Freunde. Und ich würde eh nicht zulassen, dass mir jemand zu nah kommt. Aber so habe ich ein paar Leutchen erhalten, die mein „Gefolge“ darstellen. Eine Diva stolziert ja nicht alleine umher und ich kann unmöglich im Mittelpunkt stehen, wenn ich niemanden um mich herum habe.
An einem Freund war ich auch noch nie interessiert. Typen sorgen nur für Ablenkung und Probleme. Ab und zu vergnüge ich mich zwar mit einem, aber das eher nur aus Langeweile. Außerdem ist das „Single-Sein“ eine gute Marketing Strategie, da ein Star für viele interessanter ist, solange er noch zu haben ist. Deshalb richte ich meine volle Aufmerksamkeit momentan nur auf mich selbst und mein Image, um meine Träume zu erreichen. Und ganz allein bin ich dabei nicht. Ich liebe es mich in Szene zu setzen, daher ist Instagram mein bester Freund, der mir hilft, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und mich somit auf meinem Weg zum Hollywoodstar begleitet.

Deva (@devaxamaira)

Ella-Louise

Hallo, meine Name ist Ella-Louise Dupont und ich bin 18 Jahre alt. Wie man vielleicht schon hört, habe ich meine Wurzeln in Frankreich. Jedoch fühle ich mich nicht wirklich mit dem Land verbunden, denn ich bin weder mit der Kultur aufgewachsen, noch habe ich die Sprache richtig gelernt. Daran schuld ist mein Vater, er ist der Franzose in unserer Familie, aber hat mir nie etwas über unsere Herkunft beigebracht. Generell bringt er mir recht wenig bei, ich glaube das liegt daran, dass er sich einen Sohn statt einer Tochter gewünscht hat. Ich bin Einzelkind, was für viele bedeutet, dass sie durchgehend im Mittelpunkt stehen, aber ich habe das Gefühl, meine Eltern vergessen manchmal, dass sie ein Kind haben. Sie arbeiten beide fast den ganzen Tag, was heißt, dass ich eigentlich durchgehend alleine bin…das finde ich aber nicht schlimm, versteht mich nicht falsch, ich bin gerne alleine. Abends esse ich zwar mit meinem Eltern zusammen, werde dann aber nur angeschrien wegen meiner schlechten Noten, oder weil ich nicht zu Hause helfe. Mittlerweile schaltet sich dann mein Kopf von ganz alleine aus und ich höre gar nicht mehr hin. Das mit den schlechten Noten in der Schule stimmt leider.
Seit der Trennung von Leandro fällt es mir schwer, mich auf die Schule zu konzentrieren. Vor allem, weil ich seitdem einen schlechten Ruf bei allen habe; warum auch immer.
Meine ganzen Freunde, die ich vorher hatte, wollen nichts mehr mit mir zu tun haben. Nur Tina nennt sich noch meine Freundin, aber ich glaube, sie hat einfach Mitleid mit mir und würde sich schlecht fühlen, wenn sie mir aus dem Weg gehen würde, weil wir uns schon ewig kennen.
Nochmal zu meinem Ex-Freund.
Ich rede eigentlich nicht gerne darüber, jedoch erklärt die Geschichte ein wenig meine jetzige Situation.
Leandro gehört zu den Beliebten und als wir zusammen waren, war ich es automatisch auch. Seine Freunde waren auch meine Freunde ich veränderte mich immer mehr. Bis zu dem Punkt, als ich abhängig von ihm wurde. Er war für meine Laune, meinen Charakter, mein Aussehen, einfach alles verantwortlich. Man erkannte mich gar nicht mehr wieder. Und als dann vor einer Weile ganz plötzlich Schluss war, war ich ein Niemand.
Ich wusste nicht mehr, wer ich bin, weil ich ja alles von ihm abhängig gemacht hatte. Von einem Tag auf den anderen war ich nicht mehr die Beliebte, sondern die Außenseiterin. Bis heute weiß ich nicht genau, wer ich wirklich bin, aber ich habe aufgegeben, danach zu suchen.
Anfangs war ich am Boden zerstört und ich dachte, ich könne nie wieder glücklich werden. Jetzt fühle ich mich einfach nur noch leer…oder nein, ich fühle gar nichts mehr. Und wenn ich sage, gar nichts mehr, dann meine ich, dass mir alles egal ist. Ich verspüre keine Emotionen, ich bin innerlich kalt. Eigentlich sollte ich mich nicht so „fühlen“, ich meine, es fehlt mir an nichts. Ich habe keine Krankheiten, meine Eltern sind nicht getrennt und finanziell geht es uns auch ganz gut. Aber trotzdem bin ich unzufrieden. Ich habe die Lust am allem verloren. Oft schwänze ich einfach die Schule und liege den ganzen Tag in meinem Bett. Früher habe ich es geliebt zu zeichnen, doch wenn ich heute den Stift in die Hand nehme, kommt einfach nichts dabei raus. Ich glaube einfach, mein Ziel ist es, wieder Lust am Leben zu finden und mich selbst wieder zurückzubekommen. Das schaffe ich aber nicht allein, dafür habe ich nicht die Kraft.

Ella-Louise (@ella.louxse)

Emilia

Mein Name ist Emilia Santoro und ich bin 18 Jahre alt. Gerne würde ich jetzt aufführen, wie andere mich beschreiben würden. Wie ich auf meine Freunde wirke zum Beispiel, oder was meine Eltern glauben, in mir zu sehen. Was Mitschüler höchstwahrscheinlich denken, wenn ich morgens in die Schule komme und worüber sie reden, wenn ich nicht anwesend bin. Ich könnte meinen Instagram Account zeigen oder erzählen, welchen Beruf sich mein Vater für mich erhofft, oder von meinen letzten Zeugnissen. Auch bestimmt interessant wären die Hobbies, die sich meine Eltern für mich ausgesucht haben und der direkte Vergleich meiner Leistungen mit denen meiner älteren Schwester. Es wäre so einfach, davon zu erzählen, wofür sich die Leute interessieren. Was sie hören wollen. Aber wenn ich wirklich mich beschreiben soll, dann fühle ich mich fast schon etwas überfragt. Nicht, weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, sondern eher, weil ich ja nicht einmal weiß, wer ich bin. Klar, ich bin 1,75 groß, schmal, habe honigblonde, schulterlange Haare und grüne Augen. Das ist das, was ich sehe, wenn ich in den Spiegel schaue. Was andere sehen, die mich als schön bezeichnen und nicht einmal richtig kennen. Aber ich sehe auch ein völlig verlorenes, unsicheres Mädchen, kurze Momente der Schwäche, bevor ich mich wieder zusammenreiße und unter Leute trete – selbstbewusst und anmutig wie immer. Ich schätze, das ist wohl eine Stärke von mir. Das Schauspielern. Seit achtzehn Jahren in eine fremde Rolle schlüpfen, um das perfekte Bild meiner perfekten Familie in einer perfekten Gesellschaft aufrecht zu halten. Kinn hoch, Schulten zurück, Rücken gerade, würde meine Ballettlehrerin sagen. Lächeln, würde der Fotograf der Kampagne meiner Eltern sagen. Haare auf, etwas Anständiges anziehen, würde meine Mutter sagen. Alles fest in meinem Kopf, perfekt eingespielt. Ich bin gut darin, mich anzupassen und je nach Bühnenbild eine neue Rolle anzunehmen. In der Schule spiele ich die Beliebte, was gar nicht mal so schwer ist. Die Grundlage haben meine erfolgreichen Eltern geschaffen, der Rest hat sich fast von allein ergeben. Die richtigen Klamotten, das richtige Erscheinungsbild, das richtige Image, die richtigen connections der Eltern untereinander. Ein Kinderspiel. Nichts, was ich selbst erreicht habe. Schon schwieriger umzusetzen ist die Rolle der perfekten Balletttänzerin und Klavierschülerin. Es wird schwieriger, desto weniger Spaß du beim Spielen einer Rolle hast. Dennoch sieht meine Ballettlehrerin Potential in mir und plant mit meinen Eltern bereits den Wechsel auf die perfekte Ballettschule mit hervorragenden Verbindungen ins Ausland. Zudem reichen meine Klavierkenntnisse aus, um bei wichtigen Veranstaltungen meiner Eltern Stücke vorzuspielen, natürlich als Begleitung meiner Schwester, die die erste Stimme spielt. Welch liebliche Unterhaltung. Schon schwieriger wird es, als Model für die Kampagne meines Vaters seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Besonders das Lächeln vor der Kamera fällt mir schwer, vor allem, wenn ich den Gedanken nicht loswerde, dass mein Vater mich so in der Zukunft sieht: das Gesicht seiner Firma Santoro. Diese Momente sind natürlich ziemlich unprofessionell für eine Schauspielerin. Generell bin ich mit einer ausdruckslosen Miene auf der sichersten Seite. Die größte Herausforderung jedoch stellt tatsächlich die Rolle der perfekten Tochter dar. Eine Rolle, für die ich nun seit achtzehn Jahren übe und mit der ich meine Eltern dennoch niemals hundertprozentig zufrieden stelle. Hierbei muss erwähnt werden, dass meine 22-jährige Schwester, Jurastudentin, erfolgreiche Balletttänzerin und Verlobte des Sohnes eines wichtigen Geschäftspartners meiner Eltern, die Messlatte nicht höher hätte hängen können. Egal, was ich leiste, es wird niemals an sie herankommen können. Ihretwegen komme ich regelmäßig aus meiner Rolle raus. Beim gemeinsamen Abendessen bin ich nicht an denselben Gesprächsthemen interessiert, auf Veranstaltungen und Feiern trete ich nicht annähernd so charmant auf wie sie. Meine Noten sind zwar gut, aber werden nicht für einen vergleichbaren Schnitt ausreichen und im Sport war sie sowieso schon immer besser. Noch dazu hat sie in meinem Alter bereits den Mann gefunden, der wie angegossen auf unser Familienfoto passt. Wenn ich mich abends endlich dem ewigen Schauspiel entziehen kann und in mein Zimmer gehe, kann ich mich dem widmen, für das ich alle Rollen ablegen kann: Poetry. Schreiben hilft mir, neben all den Stimmen in meinem Kopf ausnahmsweise auf mein Innerstes zu hören. Auf meine eigene Stimme.

Emilia (@emilia.santoro.official)