Den Sumsemann aus dem Fenster werfen

Mit den beiden anderen Gruppen habe ich (Annika) mich – der jetzigen Situation verschuldet – online getroffen. Da die Theater-AG der Grundschule Gießen-West allerdings bereits aufgelöst ist und die Lehrerin Judith Diehl die Drittklässlerinnen gar nicht im Unterricht hat, war meine Herangehensweise diesmal etwas anders. Ich habe die Spielleiterin und die Spielerinnen einzeln angerufen und mit ihnen über ihr Stück und das ganze Drumherum gesprochen.

Erstmal würde mich interessieren, woher die Idee kam, „Peterchens Mondfahrt“ aufzuführen.
Fr. Diehl: Die Idee kam von mir. Diese Geschichte habe ich früher schon geliebt und finde sie immer noch total schön. In der Theater-AG kannte sie nur ein einziges Kind, aber als ich das Buch mitgebracht und vorgestellt habe, waren alle begeistert.

Titelbild des Videos von „Peterchens Mondfahrt“

Du hast die Gruppe also auf den Geschmack gebracht. Wie habt ihr danach angefangen, zu arbeiten?
Fr. Diehl: In der Theater-AG beginne ich immer mit verschiedenen Spielen, um die Namen der Kinder schnell zu lernen und einen Eindruck ihrer schauspielerischen Talente zu erhalten. Untereinander kannten sich die meisten Schülerinnen schon. Das Skript habe ich dann aus der ursprünglichen Geschichte geschrieben und wir haben es gemeinsam mit verteilten Rollen vorgelesen. Die Kinder durften anschließend drei verschiedene Wünsche aufschreiben, wen sie gerne spielen möchten. Nach den Wünschen habe ich dann die Rollen verteilt. Außerdem haben wir den Film zum Buch geschaut. Dabei sollten die Kinder sich ihre Rolle genau ansehen, um Ideen für ihre Darstellung zu bekommen.

Wie sah danach der Probenprozess aus?
Fr. Diehl: Wir hatten einmal die Woche zwei Schulstunden lang Proben. Diese Stunden haben wir hauptsächlich zum Üben genutzt. Wir machen nämlich nicht nur eine Aufführung am Ende des Schuljahres, sondern jedes Halbjahr eine, immer mit unterschiedlichen Schülerinnen. Diese Gruppe war allerdings besonders eifrig. Die Kinder haben selbst viele Kostüme und
Requisiten mitgebracht, die sie Zuhause vorbereitet haben. Zum Beispiel hatte Lotta, die den Sumsemann spielt, ein super Maikäfer-Kostüm zu Hause mit Hilfe ihrer Familie selbst genäht und gestaltet.

Lotta tanzt als Sumsemann in ihrem Maikäfer-Kostüm

Also wart ihr schon komplett fertig mit eurem Stück und habt es auch schon vortragen können?
Fr. Diehl: Genau, wir haben unsere Arbeit am Ende des letzten Halbjahres aufgeführt. Im Gymnastikraum unserer Schule gab es drei Vorstellungen an einem Tag mit jeweils einer halben Stunde Pause zwischendrin. Die Mitschülerinnen der gesamten Schule konnten zuschauen und beim letzten Durchgang waren auch die Eltern dabei. Das Ganze haben wir mit zwei verschiedenen Kameras gefilmt und eine professionelle Kamerafrau, übrigens meine Schwester, hat die Aufnahmen geschnitten, sodass ich jedem der Kinder am Ende eine DVD überreichen konnte. Diese Aufnahme habe ich – mit dem Einverständnis der Eltern – auch als Bewerbungsvideo beim Hessischen Schultheatertreffen eingesandt.

Apropos: Wann und wie kam denn die Idee, sich beim HSTT zu bewerben?
Fr. Diehl: Es gibt das „Amtsblatt“ des hessischen Kultusministeriums, das jeden Monat von uns Lehrerinnen gelesen wird. Dadurch wurde ich auf das HSTT aufmerksam. Daraufhin schaute ich im Internet danach und fand es sehr ansprechend. Nach Absprache mit der Schulleitung habe ich dann die Bewerbung abgeschickt. Als die Kinder erfahren haben, dass wir teilnehmen können, waren sie begeistert.

Wie macht ihr das eigentlich mit dem Festakt, wenn du die Klassen gar nicht im Unterricht hast?
Fr. Diehl: Ja, das ist ein bisschen schwierig. Für den Festivaltag hat Herr Mönch für uns einen geeigneten Raum mit technischer Ausstattung hier in der Nähe gefunden. Da der Festivaltag außerhalb der Schulzeit satt findet, können wir uns dort alle zusammen treffen und teilnehmen. Dafür haben wir natürlich auch das Einverständnis der Eltern eingeholt und jedes Kind darf trotz der Corona bedingten Einschränkungen einen Elternteil mitbringen. Beim Festakt sieht das aber wieder anders aus. Die Kinder dürfen nur noch von ihren Klassenlehrer*innen unterrichtet werden und deshalb können wir die Veranstaltung nicht zusammen in der Schule ansehen. Mal abgesehen davon, dass wir in der Schule auch gar kein WLAN haben. Voraussichtlich werden die Kinder von Zuhause mit ihren Eltern zuschauen und ich versuche mich vom Schulhof aus einzuschalten. Dann hoffe ich mal, dass das alles funktioniert!
Vielen Dank, dass du Zeit für mich hattest. Ich versuche jetzt mal, die Kinder zu erreichen.
Fr. Diehl: Danke dir und viel Erfolg!

Bei der Nachtfee im Schloss

Hallo, Ihr Lieben! Ich habe mit eurer Lehrerin gerade schon eine Weile telefoniert, deshalb habe ich jetzt nur ein paar kurze Fragen an euch.
Alle: In Ordnung.

Als Allererstes: Was macht euch denn besonders Spaß am Theaterspielen?
Fynn: Erst habe ich mich nicht so richtig getraut. Aber dann konnte ich immer mehr aus mir rauskommen und das fand ich toll.
Mina: Dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann und es nicht schlimm ist, wenn man einen Fehler macht. Dann improvisiert man einfach!
Lotta: Ich kann mich in andere Rollen hineinversetzen.
Albjana, Ava, Lina: Wir mögen es, vor Publikum aufzutreten. Außerdem macht es Spaß, mit anderen zusammen zu lernen und zu arbeiten.

Ich habe gehört, dass ihr das Stück schon aufgeführt habt. Dreimal an einem Tag! War das denn anstrengend für euch?
Alle: Drei Aufführungen waren schon viel, aber es hat vor allem eine Menge Spaß gemacht.
Lina: Es war spannend, zum ersten Mal aufzutreten.

Und seid ihr zufrieden mit dem, was ihr erarbeitet habt?
Alle: Ja! Es ist total cool geworden!

Gibt es etwas, was euch besonders gut gefallen hat an dem Stück?
Lina: Für mich war es besonders lustig, als ich den Sumsemann am Ende aus dem Fenster werfen musste.
Mina: Bei der Szene auf dem Mond haben wir beim Proben immer viel gelacht. Deshalb hat die mir am besten gefallen.
Ava: Meine Lieblingsszene ist die bei der Nachtfee im Schloss.
Fynn, Albjana: Es hat generell alles sehr viel Spaß gemacht.

Habt ihr bei diesem Stück das erste Mal etwas vor Publikum aufgeführt und wollt ihr das in Zukunft wieder machen?
Albjana: Ich stand beim Ballett schon auf der Bühne, deshalb war es für mich nicht das erste Mal. Aber ich will es auf jeden Fall wieder machen.
Alle anderen: Für uns war es das erste Mal, aber wir möchten es auch wieder machen!

Die Kinder verbeugen sich am Ende des Stücks!

Es klingt so, als hätte es sich für euch wirklich gelohnt! Schade, dass ihr nicht nach Schlitz fahren könnt. Aber freut ihr euch denn trotzdem auf den Festakt?
Alle: Wir schauen uns den Festakt Zuhause mit unseren Eltern an. Wir freuen uns schon total drauf!
Na, dann hoffe ich mal, dass ihr dabei viel Spaß habt!

verfasst von Annika aus dem Journalismusteam